Zuversicht in Zeiten der Krise
– ein Beitrag zur Entwicklung einer tragenden Sorgekultur in unserer Gesellschaft
Wie passen Zuversicht und Krise zusammen? Im Chinesischen setzt sich das Wort Krise aus zwei Zeichen zusammen: Wei (Gefahr) und Ji (Chance). In akuten Krisen, ob global, gesellschaftlich oder persönlich, nehmen wir meist die Gefahr wahr, oft verbunden mit existenzieller Angst. Besonders in der Palliative und Dementia Care fällt es Helfern und Angehörigen manchmal schwer, Zuversicht zu bewahren und Sicherheit zu vermitteln.
Wie bleiben wir zuversichtlich, trotz der Begrenztheit des Lebens? Wie stärken wir unsere Widerstandskraft und vermitteln Halt? Erstaunlich ist oft die Zuversicht von Menschen am Lebensende. Was können wir von ihnen lernen?
Unsere Tagung beleuchtet diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven wie Medizin, Psychologie und Pflege und richtet sich auch an freiwillige Helfer. In Ittingen errichten wir ein „Amt für Zuversicht“ und freuen uns darauf, mit Ihnen Zuversicht zu entdecken und zu teilen.
Seien Sie herzlich eingeladen!
Tagungsprogramm
08.00 – Empfang und Registrierung
08.45 – Eröffnung und Grussworte
09.00 – Referat 1

Dasein – Wie wir Krisen gemeinsam meistern
Sarah Schönholzer, dipl. Pflegefachfrau HF, MAS Palliative Care, Leiterin Palliativer Brückendienst GR
In diesem Referat mit dem Titel «Dasein – Wie wir Krisen gemeinsam begegnen» geht es um die Frage, was bedeutet «Dasein» in der Krise? Dasein, wenn ein Mensch und sein nächstes Umfeld nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll. Was benötigen betroffene Personen in einer Phase der Krise, welche Wut, Unsicherheit, Hilflosigkeit, Angst oder ähnliches auslösen kann? Es wird beleuchtet, welche Bedeutung zwischenmenschliche Beziehungen, Empathie und gemeinsames Handeln in Krisensituationen haben.
09.50 – Zuversichtsmeldungen mit künstlerischem Rahmenprogramm
10.00 – Referat 2

Welche Hoffnung bleibt mir noch?
Palliative Care für Menschen mit Demenz und ihre Familien
Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio, ehem. Ordinarius für Palliativmedizin an den Universitäten
München und Lausanne
Eine der schwierigsten Zeiten im Verlauf einer Demenzerkrankung ist gleich am Anfang, nach der Diagnosestellung. Dann sind die Kranken nämlich oft noch in der Lage, zu ermessen, was die Diagnose für sie bedeutet und wie der weitere Verlauf ausschauen wird. Welche Hoffnungen die Palliative Care Demenzpatienten und Ihren Familien realistisch anbieten kann, und wie diese in der Praxis verwirklicht werden können, wird das Thema des Vortrags sein.
10.50 – Kaffeepause
11.20 – Zuversichtsmeldungen mit künstlerischem Rahmenprogramm
11.30 – Referat 3

Kritische Lebensereignisse – nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen für persönliches Wachstum
Prof. em. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, Universität Bern
Kritische Lebensereignisse wie schwere Erkrankungen, Todesfälle oder Scheidungen lösen Menschen aus gewohnten Zusammenhängen, verändern Rollen, Beziehungen und Identitäten und haben ein hohes Potenzial der psychischen Verletzlichkeit. Allerdings zeigen Forschung und klinische Erfahrung, dass Menschen sehr unterschiedlich damit umgehen. Der Vortrag thematisiert sowohl die unterschiedlichen Wege der psychischen Bewältigung als auch die Chancen für persönliches Wachstum und geht auf die entscheidende Rolle von Charakterstärken wie Hoffnung, Mut, Liebe, Weitsicht und Dankbarkeit ein.
12.20 – Informationen zum Nachmittag
12.30 – Mittagessen
14.00 – Workshops 1 bis 12 (Für den vollständigen Beschrieb klicken Sie bitte auf den Titel des Workshops)
Workshop 1
Mit Kindern trauern – Trauerverständnis von Kindern verschiedener Altersstufen
Kindertrauer zeigt sich oftmals ausserhalb unseres normativen Denkens und ist häufig laut und bunt. Jeder Trauer geht nahezu immer eine Krise voraus, mit Hoffnungslosigkeit und Ohnmachtsgefühlen. Daher ist es von grosser Bedeutung, Kinder und ihre engsten Angehörigen in der Krise gut möglichst zu stabilisieren, damit eine anschliessende Trauerbewältigung in Gang gesetzt werden kann. Es gibt «Handwerkzeugs», welche die Begleitung der kleinen Menschen vereinfacht, in der Krise wie in der Trauer. Es werden zudem verschiedene einfache, kreative Möglichkeiten vorgestellt und je nach Zeit ausprobiert, die im häuslichen Setting wie auch im klinischen Alltag funktionieren sollten.
Sarah Pietsch, Hebamme HF und Psychologische Beratung mit Schwerpunkt Krisen- und Trauerbegleitung im Familiensystem. Operative Leitung des Care Teams Thurgau
Workshop 2 (ausgebucht)
Ethische Dilemmata in der Fürsorge
Die Sorge um demenzerkrankte Menschen ist im Alltag manchmal eine Gratwanderung zwischen Autonomie zuzulassen und fürsorglicher Autorität. Es stellen sich Fragen: Wieviel Freiheit kann ich einer Person mit eingeschränktem Urteilsvermögen geben, ohne sie zu gefährden? Wie bewahren wir Würde und Respekt gegenüber den Betroffenen, wenn wir ihnen zunehmend Entscheidungen abnehmen? Wie können Wünsche berücksichtigt werden? In diesem Workshop wollen wir Erfahrungen austauschen und gemeinsam nach Auswegen in schwierigen Situationen Ausschau halten.
Claudia Duff, lic. theol., Seelsorgerin und Leitung Ethikforum Psychiatrische Dienste Thurgau
Workshop 3 (ausgebucht)
Psychisch gesund bleiben mit/ nach Krisensituationen aus Sicht der Helfenden
Im Workshop lernen Helfende, wie sie ihre eigenen psychischen Belastungen wirksam reduzieren können. Ausgehend von konkreten Selbstschutzmaßnahmen, werden Strategien vermittelt, um den Umgang mit Stress und Trauma zu verbessern. Dabei geht es u.a. darum, wie man Grübelschleifen durchbrechen kann, und wie sich negative Erfahrungen verarbeiten und verändern lassen. Ergänzend werden wirksame Selbsthilfetechniken zur Förderung von Positivität und Glück sowie emotionaler Stabilität vorgestellt. Der Workshop schliesst mit dem Thema des persönlichen posttraumatischen Wachstums: Es wird aufgezeigt, wie Helfende bei traumatischen Ereignissen positive Veränderungen erfahren können und wo Grenzen sind.
Dr. Gernot Brauchle, Univ.-Doz. und Notfallpsychologe. Medizinischer Leiter des Care Teams Thurgau
Workshop 4 (ausgebucht)
Early Palliative Care bei Menschen mit Demenz
Der frühe Einbezug von Palliative Care (Early Palliative Care) bei chronisch fortschreitenden Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder auch in der Onkologie dient dem Erhalt der Lebensqualität und wird in den letzten Jahren vermehrt propagiert. Bei Menschen mit Demenz wird Palliative Care meist vor allem mit der letzten Lebensphase assoziiert, wo die Symptomlinderung im Sterbeprozess im Vordergrund steht oder auch Fragen der Ernährung bei Schluckproblemen aufgrund der fortgeschrittenen Neurodegeneration. Early Palliative Care kann bei Menschen mit Krebserkrankungen wesentlich zur Lebensqualität und Selbstbestimmung beitragen – wie könnte sie auch bei Menschen mit Demenz eingesetzt werden? Welche Barrieren gibt es? Und was genau beinhaltet sie? Diese Fragen werden im Workshop diskutiert und eine mögliche Herangehensweise zur Implementierung im Alltag erarbeitet.
Dr. med. Annette Ciurea, Fachärztin Innere Medizin, spez. Geriatrie und Palliativmedizin, Age Medical Zürich
Workshop 5 (ausgebucht)
Rituale – für Inneres Ausdruck finden
Rituale können zum Kristallisationspunkt in Wandlungsprozessen werden und sind dennoch keine Zaubermittel. Nichts ist mit Ritualen machbar, vieles kann möglich werden. Von den Begleitenden ist Demut und ein hohes Mass an Selbstreflexion gefragt. Demut, weil ich nie wissen kann, ob dieses Ritual wirklich hilfreich wird, und dass alles was glückt, nicht gemacht werden kann. Selbstreflexion, weil der eigene Anteil als Ritualbegleiterin je neu patientenzentriert bedacht und gestaltet werden will. Deshalb wird dieser Workshop zum Nachdenken und Austausch über die eigene Haltung und einer kleinen rituellen Erfahrung einladen.
Karin Klemm, Theologin und Supervisorin in eigener Praxis. 25 Jahre Seelsorge in Spital, Psychiatrie und Hospiz, seit 2023 in der Pfarrei. Weiterbildungen: Psychodrama, SE, und Supervision (CPT)
Workshop 6 (ausgebucht)
Mehr als Glück – Vom Sinn der bleibt
Ein Workshop mit Herz und Verstand. Wie die sinnzentrierte Psychologie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl zur heilsamen Überlebensstrategie in belastenden Zeiten wird. Woraus wir Menschen unsere Kräfte ziehen, ist so unterschiedlich wie das, wofür wir sie nutzen. Die sinnzentrierte Psychologie (Logotherapie) nach Viktor Frankl ist ein wunderbares und hilfreiches Instrument für den Alltag, sowohl für Begleitende als auch für Betroffene. Sie kann uns in existenziellen Krisen wegweisend sein. Aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Begleitung von Familien, die von Schicksalen wie Verlust und Krankheit betroffen sind, wird beispielhaft dargestellt, wie durch sinnstiftende Impulse des/der Begleitenden den Betroffenen Halt und Zuversicht zugesprochen werden kann. Die sinnzentrierte Psychologie weist Wege durch Verzweiflung und Trauer wieder hin zur Hoffnung, Lebensfreude und zurück zur Liebe zum Leben.
Helena Gareis, Geschäftsführerin des Familienhospizdienst Ortenau, Logotherapeutin / Sinnzentrierte Psychologie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl, Bildungsreferentin Ministerium für Kultus und Jugend in Baden-Württemberg
Workshop 7
Spiritual Care in der Langzeitpflege: Impulse für eine personenzentrierte Praxis
Die spirituelle Dimension gewinnt im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung – besonders bei Menschen am Lebensende. Die WHO betont die Integration der spirituellen Dimension in Betreuung und Behandlung. Spiritualität wird dabei als individuelle Verbundenheit mit dem verstanden, was das Leben trägt und inspiriert. Der Workshop stellt das neue Impulspapier von palliative.ch vor und zeigt auf, wie Spiritual Care in der Langzeitpflege konkret und alltagstauglich verankert werden kann. Neben einem Einblick in aktuelle Forschung und Konzepte erhalten Teilnehmende praxisnahe Impulse zur Implementierung eines personenzentrierten Zugangs im eigenen Arbeitsumfeld.
Pascal Mösli, Theologe, Supervisor, Dozent und Mitarbeiter an der Professur Spiritual Care an der Universität Zürich
Workshop 8 (ausgebucht)
Ganzheitliche und wohltuende Wirkung der Aromapflege auf Körper, Geist, Seele
«Ich geh mit Dir den Weg durch Angst und Schmerz, als Zeichen der Menschlichkeit und Wärme.» Aromapflege zeigt, weshalb und wie Düfte Emotionen, Verhalten und Gedächtnis unmittelbar beeinflussen können. Anwendungsmöglichkeiten bei innerer Unruhe, aggressivem Verhalten sowie depressiver Verstimmung können Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Aber auch Grenzen der Aromapflege werden aufgezeigt. Im Workshop teile ich mit den Teilnehmenden meine langjährige Erfahrung in der Aromapflege auf der Palliativstation des Kantonspitals Münsterlingen.
Dagmar Schröder, Diplomierte Pflegefachfrau im Palliative Bereich, ausgebildete Aromapflegende, seit 17 Jahren im Spital Münsterligen TG auf der Palliative Station tätig.
Workshop 9 (ausgebucht)
Wenn ich mich traue zu gestalten, traue ich mir etwas zu
Lebendigkeit erfahren wir, wenn wir für uns aktiv etwas gestalten und uns selbst etwas zutrauen. Die Gestaltung von Bildern und Objekten ist eine Möglichkeit, die in allen Lebenslagen eines Menschen und im Miteinander eine Bedeutung hat. Die Gestaltung ist zuerst etwas Persönliches und Privates. In einem zweiten Schritt erhält es eine Erweiterung im Austausch mit anderen Bildern und deren GestalterInnen. Im Workshop arbeiten wir mit einfach zugänglichen Materialen. Ausgehend von einem eigenen Bild oder Objekt werden wir in der Gruppe die Möglichkeiten, mit Bildern in Austausch zu kommen, ausloten. Dabei werden wir besonders beachten, wie ein bildnerischer Prozess unterstützt und in unterschiedlichen sozialen Umfeldern, von der Familie bis zu einer Wohngruppe, integriert werden kann.
Thomas Meng, Kunsttherapeut/ED, Leiter vom Offenen Atelier Alterstagesklinik Weinfelden von 2016 bis 2024, Dozent an Hochschulen für Kunsttherapie
Workshop 10 (ausgebucht)
Resilienz und Resilienzförderung
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit Problemen, Stress und Krisen auf eine bestimmte Art umzugehen, die die eigene Gesundheit erhält oder uns sogar noch stärkt. Eine Fähigkeit, die gerade auch in der Tätigkeit im Hospizbereich besonders wichtig ist. Tagtäglich gilt es, Patienten und Angehörige in Krisensituationen empathisch und verständnisvoll zu begleiten und ihnen einen sicheren Halt zu geben, ohne mit ihnen mitzuleiden – manchmal ein Balanceakt. Resilienz als Burnout Prophylaxe in der Palliative Care – Wie nutze ich diese wertvolle Ressource im Pflege- und Betreuungsalltag?
Jeanette Oertle, Co-Geschäftsführerin / Leiterin Pflege Hospiz St.Gallen, Pflegefachfrau HF, CAS interprofessionelle spezialisierte Palliative Care
Workshop 11 (ausgebucht)
Wir sind endlich. Und jetzt? Die Kraft des Lebensrückblicks
Biografiearbeit und würdezentrierte Therapie (WzT) sind zwei eng miteinander verbundene Ansätze, die Menschen in besonderen Lebensphasen wertvolle Unterstützung bieten. Durch lebensgeschichtliche Gespräche wird die individuelle Biografie beleuchtet, was besonders in Zeiten des Umbruchs von grosser Bedeutung sein kann. Die WzT geht einen Schritt weiter, indem sie schwerstkranken Menschen hilft, ihr Leben bewusst anzuschauen, sich selbst wertzuschätzen und als ganzheitlich zu betrachten. Ein zentrales Element dieser Methode ist das Verfassen eines Briefes als bleibendes Vermächtnis. Dieser Brief ermöglicht auch den Hinterbliebenen, Trost in der Trauer zu finden und Abschied zu nehmen.
Doris Büchel, Autorin und Anwenderin würdezentrierte Therapie, (in freier Zusammenarbeit mit dem Hospiz Werdenberg, der Palliativstation Altstätten und der Hospizbewegung Liechtenstein)
Workshop 12
Trotz allem: Zuversicht – Palliativmedizinische Perspektiven in der Krise
In diesem interaktiven Workshop beleuchten wir aktuelle Entwicklungen und Trends der Palliative Care aus medizinischer Sicht. Gemeinsam diskutieren wir unter anderem anhand praxisnaher Fallbeispiele, wie medizinisches Handeln in Krisenzeiten zur Stärkung von Zuversicht beitragen kann. Fallbeispiele dürfen auch gerne im Vorfeld von Teilnehmenden eingereicht werden. Der Austausch soll den interdisziplinären Blick auf gelingende Palliativversorgung fördern und neue Perspektiven ermöglichen.
Dr. med. Erika Süess, Palliativmedizinerin für Kinder und Erwachsene, Pädiatrisches Palliative Care Team Kantonsspital Graubünden
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Für den vollständigen Beschrieb klicken Sie auf den Titel des Workshops.
16.15 – Schlusspunkt: Mark Riklin und sein Amt für Zuversicht
17.00 – Tagungsende

Zuversichtsmeldungen mit künstlerischem Rahmenprogramm
Mark Riklin, Dozent für Angewandte Soziologie
aus Speicher AR und Begründer der Meldestelle für Glücksmomente
Allgemeine Informationen:
Teilnahmegebühren: Pro Person CHF 180.–, Personen in Ausbildung CHF 100.–. Inkl. Mittagessen.
Akkreditierung: palliative.ch Credits 6.0
Die Tagung ist ausgebucht. Wir freuen uns auf den Anlass am 14. Februar 2026.
Der Austausch am Nachmittag hat mich sehr bestärkt in der Netzwerkpflege und Interdisziplinarität gut unterwegs zu sein.
– Teilnehmerin der 4. Ittinger Fachtagung 2022

